Wonach entscheiden die Hochschulen, wer einen Studienplatz bekommt und wer nicht? Welche Bedeutung hat der NC und welche Bewerberinnen und Bewerber werden bevorzugt behandelt? Die wichtigsten Infos über das Auswahlverfahren in Bachelorstudiengängen zur Zulassung für das erste Fachsemester gibt es hier.
Oft wird der Numerus Clausus (oder kurz NC) missverstanden als eine vorab festgelegte Grenznote, bei der der letzte zur Verfügung stehende Studienplatz vergeben wird. Tatsächlich errechnet sich der NC für jedes Semester neu, und zwar erst nachträglich, nach Eingang aller Bewerbungen. Es handelt sich dabei um die Werte der letzten Person, die auf der Liste aller Bewerberinnen und Bewerber - geordnet nach ihren jeweiligen Zulassungsvoraussetzungen - einen Studienplatz erhalten hat.
Daher sind die NC-Werte aus den letzten Semestern zwar nützliche Anhaltspunkte, sollten Sie aber auf keinen Fall davon abhalten, sich zu bewerben! Denn Sie können nicht wissen, wie die Durchschnittsnoten Ihrer Mitbewerberinnen und Mitbewerber im aktuellen Bewerbungs- und Zulassungsverfahren sind und wie viele sich überhaupt beworben haben.
Abgesehen von der Durchschnittsnote gibt es aber auch noch andere Faktoren, die die Vergabe der Studienplätze beeinflussen:
Bei einem örtlichen Auswahlverfahren wird vorab von den zur Verfügung stehenden Studienplätzen eines Studiengangs ein bestimmter Anteil für besondere Bewerber*innengruppen reserviert. Diese "Vorabquote" setzt sich aus folgenden Quoten zusammen:
Drittstaatenquote für ausländische Studienbewerberinnen und Studienbewerber, die Deutschen nicht gleichgestellt sind
Härtefallquote für "Fälle außergewöhnlicher Härte" (nähere Informationen können Sie mit den Bewerbungsunterlagen erhalten)
Zweitstudienquote für Bewerberinnen und Bewerber, die bereits ein Studium in einem anderen Studiengang abgeschlossen haben
Berufsqualifiziertenquote für Zugangsberechtigte aufgrund besonderer beruflicher Qualifikation
Profilquote für Personen, die zur Verfolgung gewichtiger öffentlicher Interessen oder aus sozialstaatlichen Erwägungen zu berücksichtigen oder zu fördern sind und aufgrund besonderer Umstände, insbesondere aufgrund Zugehörigkeit zu einem auf Bundesebene gebildeten Kader eines Fachverbandes des Deutschen Olympischen Sportbundes, an den Studienort gebunden sind
Bedarfsquote für Bewerberinnen und Bewerber, die sich aufgrund entsprechender Vorschriften verpflichtet haben, ihren Beruf in Bereichen besonderen öffentlichen Interesses auszuüben
Im Niedersächsischen Hochschulzulassungsgesetz § 5 "Studienplatzvergabe bei örtlichen Zulassungsbeschränkungen" und in der Verordnung über die Hochschulzulassung und das Anmeldeverfahren an den Hochschulen in staatlicher Verantwortung in Niedersachsen (NHZVO) finden Sie die rechtlichen Grundlagen (NHZVO § 22 "Quoten" sowie folgende §§).
Die Drittstaatenquote und die Berufsqualifiziertenquote können in bestimmten, auf die entsprechende Zielgruppe ausgerichteten Studiengänge stärker gewichtet werden. Näheres erfragen Sie bitte bei der jeweiligen Hochschule.
Wer der Drittstaatenquote, der Zweitstudienquote, der Berufsqualifiziertenquote oder einer Bedarfsquote unterfällt, kann nur über Studienplätze in dieser Vorabquote zugelassen werden und fällt nicht in das spätere eigentliche Auswahlverfahren (siehe unten).
Die Hochschule kann bestimmen, dass die Studienplätze der Zweitstudienquote und der Berufsqualifiziertenquote nach einem von der Hochschule durchzuführenden Auswahlverfahren vergeben werden.
Bevor es zum eigentlichen Auswahlverfahren kommt, wird auch noch geprüft, ob es bevorzugt zu berücksichtigende Bewerber*innen gibt. Sie können bevorzugt ausgewählt werden, wenn Sie
und
Falls Sie durch eine gerichtliche Entscheidung einen Studienplatz erhalten, kommen Sie ebenfalls in die bevorzugte Auswahl.
In der Verordnung über die Hochschulzulassung und das Anmeldeverfahren an den Hochschulen in staatlicher Verantwortung in Niedersachsen (NHZVO) finden Sie die rechtliche Grundlage (NHZVO § 31 "Auswahl nach einem Dienst aufgrund früheren Zulassungsanspruchs").
Trotz der Vorauswahl der besonderen und bevorzugten Bewerberinnen und Bewerber bleiben für das eigentliche Auswahlverfahren in aller Regel die weitaus meisten Studienplätze übrig. Diese Plätze werden dann wie folgt vergeben:
Im hochschuleigenen Auswahlverfahren können die Hochschulen nach zwei Hauptkriterien ihre Studierenden aussuchen:
oder
Mehr als die Hälfte der Plätze müssen nach dem zweiten Hauptkriterium vergeben werden, wobei jedoch die Durchschnittsnote überwiegend berücksichtigt werden muss!
Weitere Kriterien im hochschuleigenen Auswahlverfahren können sein:
Im Niedersächsischen Hochschulzulassungsgesetz (NHZG) finden Sie die rechtlichen Grundlagen (NHZG § 5 "Studienplatzvergabe bei örtlichen Zulassungsbeschränkungen", Absatz 6-12).
Über die Quote "Wartezeit" werden 10 bis 20% der Studienplätze (nach Abzug der Vorabquoten für "bevorzugte" und "besondere" Bewerbergruppen) verteilt. Wartesemester müssen nicht beantragt werden - damit Ihre Wartezeit berücksichtigt wird, brauchen Sie sich auch nicht schon einmal beworben haben. Alle Semester seit Erhalt der Hochschulreife, in denen Sie nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben waren, werden automatisch als Wartesemester angerechnet. Achtung: Es werden höchstens 7 Wartesemester berücksichtigt!
Da die Wartezeit in Semestern gezählt wird, sind der 1. April und der 1. Oktober des jeweiligen Jahres wichtige Stichtage. Falls Sie im Juni eines Jahres Ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben haben, so beginnt Ihre Wartezeit am 1. Oktober.
In der Verordnung über die Hochschulzulassung und das Anmeldeverfahren an den Hochschulen in staatlicher Verantwortung in Niedersachsen (NHZVO) finden Sie die rechtliche Grundlage (NHZVO § 28 "Ergänzende Bestimmungen zur Berücksichtigung und Berechnung der Wartezeit in der Quote nach § 22 Abs. 3").
Für einige örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge müssen Sie sich über hochschulstart.de bewerben, die Serviceplattform der Stiftung für Hochschulzulassung. Sie ist vor allem zuständig für die zentrale Vergabe von bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätzen (wie z.B. Medizin), führt aber auch im Auftrag einiger Hochschulen Auswahlverfahren für manche Studiengänge mit örtlicher Zulassungsbeschränkung durch. Mehr Informationen zu diesem sogenannten "dialogorientierten Serviceverfahren" (abgekürzt "DoSV"):
Einheitlicher Bewerbungsschluss örtlich zulassungsbeschränkter Studiengänge für das Wintersemester ist der elektronische Annahmeschluss 15.07. um 24 Uhr. Für das Sommersemester ist der Annahmeschluss am 15.01. um 24 Uhr.
Jedoch können für einige Studiengänge abweichende Fristen gelten. Informieren Sie sich frühzeitig bei Ihrer Wunsch-Hochschule!
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