Erstmals haben mehr als 10.000 Studierende ohne Abitur erfolgreich ein Studium abgeschlossen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung basierend auf den jüngsten verfügbaren Daten für das Jahr 2024. Insgesamt 2,4 Prozent der Studierenden in Deutschland sind aktuell ohne klassische Hochschul- oder Fachhochschulreife eingeschrieben. Das sind etwa 70.000 Studierende.
An 93 Prozent der deutschen Hochschulen sind Studierende ohne Abitur vertreten. Dabei zeigt sich eine klare Präferenz: Über 70 Prozent der Erstsemester starten an Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Laut Analyse sind die meisten beruflich qualifizierten Studierenden an großen und mittleren HAW eingeschrieben, gefolgt von großen Universitäten. Mit abnehmender Hochschulgröße sinkt die Zahl der Studierenden ohne (Fach-)Abitur.
Bei der Wahl der Studienfächer sind Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften die beliebtesten Studienbereiche, gefolgt von Ingenieurwissenschaften und Humanmedizin / Gesundheitswissenschaften. Der Bereich Gesundheitswissenschaften hat laut Autorinnen in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse verzeichnet. Betrachtet man den Anteil der Studienanfänger*innen ohne (Fach-)Abitur an allen Studienanfänger*innen, zeigt sich, dass in der Gesundheitspädagogik und in den Fächern Pflegewissenschaften / -management im Jahr 2024 jede*r vierte Studienanfänger*in über eine berufliche Qualifikation ins Studium gelangte.
Im Jahr 2024 studierten mit rund 59 Prozent die meisten Studienanfänger*innen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung an einer staatlichen Hochschule. Am stärksten nachgefragt ist die FernUniversität in Hagen. In der Rangliste der gefragtesten Hochschulen bei Studienanfänger*innen ohne Abitur rangiert sie auf Platz 1 vor der FOM Hochschule für Oekonomie & Management auf Platz 2 und der IU Internationale Hochschule auf Platz 3.
Seit 2009 ist es bundesweit möglich über eine berufliche Qualifikation die Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen und die Zahl der Studierenden, die diesen Weg nutzen, ist mit der Zeit deutlich gestiegen: 104.941 beruflich qualifizierte Studierende ohne Abitur haben seither einen Hochschulabschluss erworben.
Die Autorinnen des CHECKs "Studieren ohne Abitur 2026 – Daten-Analyse für Bund und Länder", Dr. Sigrun Nickel und Anna-Lena Thiele, halten fest: Das Studium ohne Abitur hat sich als fester Bestandteil eines durchlässigen Hochschulsystems in Deutschland etabliert, ist aber weiterhin nicht selbstverständlich. In Niedersachsen liegt der Anteil der Studierenden ohne Abitur bei 2 Prozent. Im Ranking der Bundesländer steht Niedersachsen damit auf Platz 11 – zusammen mit Sachsen-Anhalt.
Viele Einrichtungen und Akteur*innen in Niedersachsen beteiligen sich daran, beruflich qualifizierten Personen den Weg an die Hochschule und ins Studium zu ermöglichen. Die Maßnahmen und Aktivitäten, die zur Öffnung der niedersächsischen Hochschulen beitragen, werden unter der Überschrift "Offene Hochschule Niedersachsen" zusammengefasst und durch die Koordinierungsstelle für Studieninformation und -beratung in Niedersachsen (kfsn) begleitet. Im Rahmen der Förderrichtlinie "Öffnung von Hochschulen" werden Hochschulen und anerkannte Einrichtungen der Erwachsenenbildung mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und zusätzlichen Landesmitteln dabei unterstützt, flexible Angebote für Weiterbildungsinteressierte mit und insbesondere ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung zu entwickeln. Der Antragsstichtag für den aktuellen Förderaufruf ist der 15. Juli 2026. Alle weiteren Informationen erhalten Sie über die NBank.
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