Integration Geflüchteter an deutschen Hochschulen

Geflüchtete Studierende sind an den deutschen Hochschulen häufig sowohl sozial als auch akademisch weniger gut integriert als ihre in Deutschland geborenen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Dies ergibt eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), die gleichzeitig aufzeigt, wie der Studienerfolg dieser Studierendengruppe unterstützt werden kann.

Die soziale und akademische Integration an der Hochschule ist zentral für ein gelingendes Studium. In beiden Bereichen sind geflüchtete Studierende – unabhängig davon, ob sie ihre Hochschulzugangsberechtigung im In- oder Ausland erworben haben – gegenüber anderen Studierendengruppen benachteiligt.

Michael Grüttner, Autor des DZHW Briefs formuliert: "Geflüchtete Studierende haben seltener Kontakt zu ihren Mitstudierenden und schätzen ihre Studienleistungen im Vergleich zu ihren Mitstudierenden niedriger ein. Diese Indikatoren können als Warnsignale für gefährdeten Studienerfolg und erhöhte Studienabbruchrisiken gesehen werden."

Die Fächerwahl scheint hier laut Untersuchung durchaus entscheidend zu sein: Während in den Sozial- und Geisteswissenschaften keine Benachteiligung erkennbar ist, ist die akademische Integration in MINT-Fächern besonders herausfordernd. Dabei ist die Studienbeteiligung Geflüchteter gerade in MINT-Fächern überdurchschnittlich hoch. Während 46 Prozent der geflüchteten Studierenden ein solches Fach wählen, liegt der Anteil bei in Deutschland geborenen Studierenden bei 31 Prozent. Hilfreich könnten hier laut Autor Brückenkurse und studienbegleitende Sprachkurse sein, die die sprachliche Studierfähigkeit von geflüchteten Studierenden verbessern. Denn studienvorbereitende Sprachkurse allein reichten oft nicht aus, um das Niveau der Mitstudierenden vollständig zu erreichen. Studienbegleitende Angebote und Ausgleichsmaßnahmen würden sich jedoch insbesondere für Studierende mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung als wirksam erweisen.

Unabhängig vom Sprachniveau und von der Fächerwahl sind es die strukturellen Lebensbedingungen, die die akademische Integration geflüchteter Studierender erschweren: Geflüchtete Studierende befinden sich oft in besonders prekären sozialen Lagen, müssen sich mit aufenthaltsrechtlichen und finanziellen Unsicherheiten sowie schwierigen Wohnsituationen auseinandersetzen. In einigen Fällen kommen unterbrochene Bildungsbiografien und Informationsdefizite zum Studium erschwerend hinzu. Werden diese Faktoren berücksichtigt, zeigt sich, dass geflüchtete Studierende ein vergleichbares Integrationsniveau erreichen können wie ihre in Deutschland geborenen Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Die deutschen Hochschulen erfassen bei der Immatrikulation in der Regel die Staatsangehörigkeit ihrer Studierenden sowie das Land, in dem die Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben wurde – ob ein Fluchthintergrund vorliegt, bilden diese Angaben nicht ab. Dies erschwert Untersuchungen zur Integration von Studierenden mit Fluchterfahrungen. Da seit 2015 viele syrische Geflüchtete zugewandert sind, dienen syrische Studierende in der zugrundeliegenden Untersuchung des DZHW als wichtige Referenzgruppe, um die Entwicklungen der letzten zehn Jahre zu betrachten. Die Untersuchungen umfassen sowohl syrische Studierende mit ausländischer als auch mit inländischer HZB.

In den Briefen des DZHW werden regelmäßig Forschungsergebnisse des Instituts oder aus wissenschaftlichen Publikationen vorgestellt.

Zum DZHW Brief 02/2026

 

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