Etwa 900 bis 1.000 Euro benötigen Studierende durchschnittlich im Monat zur Finanzierung ihres Studiums. Staatliche Unterstützung nehmen dabei nur wenige in Anspruch. Nach aktuellen Auswertungen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) nutzen sechs von sieben Studierenden kein staatliches Angebot zur Studienfinanzierung, das sind rund 85 Prozent der Studierenden.
Zu den staatlichen Unterstützungsangeboten zählen in Deutschland das BAföG, das Deutschlandstipendium, Stipendien der Begabtenförderwerke, das Aufstiegsstipendium, der KfW-Studienkredit und der Bildungskredit. Trotz dieser Möglichkeiten finanzieren sich die meisten Studierenden ihre Ausbildung mithilfe ihrer Eltern und Nebenjobs. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist der Anteil der Studierenden im Alter von 20 bis 24 Jahren mit Nebenjob zwischen 2015 und 2023 um 19,3 Prozentpunkte gestiegen und liegt derzeit bei etwa 56 Prozent. Eine Analyse des CHE zu flexiblen Studienangeboten hat ermittelt, dass 63 Prozent der Studierenden einer Erwerbstätigkeit nachgehen und im Schnitt etwa 15 Stunden pro Woche arbeiten. Ein erfolgreiches Studium hängt damit stark vom familiären Hintergrund ab und von der Möglichkeit, neben dem Studium zu arbeiten.
BAföG
Im Jahr 2024 erhielten 11,39 Prozent der Studierenden eine Förderung nach BAföG; im Jahr 2023 waren es 12,55 Prozent; 2022 erhielten 11,47 Prozent der Studierenden BAföG. Niedersachsen zählt mit einem Anteil von über 15 Prozent zu den Bundesländern mit einem hohen Anteil von BAföG-Geförderten.
Begabtenförderungswerke
In Deutschland gibt es 13 Begabtenförderungswerke, die Studierende mit Stipendien in ihren Lebenshaltungs- und Studienkosten unterstützen. Die Zahl der geförderten Stipendiatinnen und Stipendiaten hat sich laut CHE seit 2005 mehr als verdoppelt. Seit 2022 sind die Gefördertenzahlen jedoch wieder rückläufig.
Aufstiegsstipendium
Das Aufstiegsstipendium richtet sich an Studierende mit Berufsausbildung und Praxiserfahrung, die ein erstes akademisches Hochschulstudium absolvieren. Jährlich können bis zu 1.500 Aufstiegsstipendien neu vergeben werden. Im Jahr 2024 lag die Zahl der neugeförderten Studierenden bei 1.301. Das Stipendium wird damit noch nicht vollständig ausgeschöpft und könnte weitere Fachkräfte unterstützen.
Studienkredite
Die Zahl der neu abgeschlossenen Studienkredite sinkt laut CHE seit über zehn Jahren sowohl bei staatlichen als auch privaten Anbietern. Es gibt in Deutschland etwa 25 Angebote an Studienkrediten, Bildungsfonds und Abschlussdarlehen. Marktführer ist der KfW-Studienkredit, der sich durch steigende Zinssätze in den letzten Jahren jedoch deutlich verteuert hat. Im Jahr 2024 nutzten 1,54 Prozent der Studierenden einen Studienkredit; 2023 waren es 2,2 Prozent, im Jahr 2022 noch 2,62 Prozent.
Deutschlandstipendium
Das Deutschlandstipendium richtet sich an begabte und engagierte Studierende. Die Förderung stammt zur Hälfte von privaten Geldgebern, die von den Hochschulen eingeworben werden, die andere Hälfte wird vom Bund bereitgestellt. Zusammen mit dem Saarland und Sachsen konnte Niedersachsen 2024 den größten Anteil an Studierenden fördern. Insgesamt wurden 2024 1,15 Prozent der Studierenden mit einem Deutschlandstipendium gefördert; 2023 waren es 1,09 Prozent, 2022 1,04 Prozent. Das CHE hält in seiner Analyse fest, dass bezüglich des Deutschlandstipendiums ein kontinuierlicher Aufwärtstrend zu verzeichnen ist und bezeichnet die Mobilisierung der notwendigen Mittel von Alumni, Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen als großen Erfolg.
Der Autor der Studie, Ulrich Müller, resümiert, dass die Politik die Studienfinanzierung zunehmend den Studierenden selbst überlässt. In seinen Augen könne dies unter anderem dazu führen, dass Studienanfänger*innen ihre Studienort-Entscheidung von der Heimatnähe abhängig machen (müssen) und Studienfächer, bei denen Nebenjobs schwerer umsetzbar sind (etwa Jura und Medizin), zum Privileg von Studierenden "aus gutem Hause" werden könnten.
Als Lösung schlägt das CHE eine "Bundesstudienförderung" vor –
- mit einer pauschalen Sockelförderung, die unabhängig vom Einkommen der Eltern ist (anstelle indirekter Förderung über Kindergeld oder Kinderfreibetrag).
- mit Zuschlägen nach Einzelfallprüfung als staatliche Förderung ohne Rückzahlungsverpflichtung für bestimmte Zielgruppen (= bisherige bedarfsorientierte BAföG-Förderung).
- mit frei bestimmbarer Darlehensoption zur Aufstockung oder zur Finanzierung von Weiterbildungs- oder Zweitstudiengängen (= bisherige Funktion des KfW-Studienkredits bzw. des Bildungskredits). Das Darlehen könnte auch zur Vorfinanzierung von Studiengebühren genutzt werden und als optionale Einmalzahlung in Akutsituationen (z. B. Kaution, kaputter Laptop).
Das CHE stellt in dem aktuellen CHECK bereits zum dritten Mal die Nutzungszahlen der staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten für Studierende in Deutschland zusammen. Die entsprechenden Daten bezieht das CHE unter anderem vom Statistischen Bundesamt, dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie auf Anfrage direkt von den jeweiligen Anbietern.
Zur Pressemitteilung des CHE
Zum Downloadbereich des CHE: "Studienfinanzierung in Deutschland – Update Januar 2026"
Zum Downloadbereich des CHE: "Flexibel Studieren 2025"
Zur Pressemitteilung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
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